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Vom Buch zur Bücherei
1. Entstehungsgeschichte unserer Schulbücherei
Auf die Initiative des Fördervereins hin wurde innerhalb einer Konferenz
zu Beginn des Schuljahres 2009/2010 überlegt, welches Projekt an unserer Schule
mit finanzieller Unterstützung realisiert werden könnte. Schnell wurde die
Einrichtung einer schulinternen Schulbücherei vorgeschlagen. Dieses Vorhaben
wurde während der Konferenz mit all seinen Vor- und Nachteilen diskutiert.
Obwohl alle Kolleginnen den großen Nutzen einer Schulbücherei im Sinne eines
großen Leseanreizes für Kinder benannten, wurde auch explizit auf die damit
verbundenen hohen Kosten und den großen Organisationsaufwand hingewiesen.
Bisher gab es an unserer Schule zwar eine Schülerbücherei, die aber
inzwischen in die Jahre gekommen war. Sie wurde von den Kindern schon lange
nicht mehr genutzt. Zum einen befand sich der Raum in ungünstiger Lage weit weg
vom zentralen Geschehen und zum anderen waren 80% des Bestandes Bücher in alter
Rechtschreibung geschrieben. Der Raum war sehr klein, so dass es nicht möglich
war, in dem Raum gemütlich in einem Buch zu schmökern.
Da alle Kolleginnen den großen pädagogischen Nutzen einer Schulbücherei
betonten, wurde das weitere Vorgehen unseres Projektes abgestimmt. Zunächst
wurde eine allgemeine, unverbindliche Meinungsumfrage unter der Elternschaft
initiiert, um das Interesse und die nötige Mithilfe mit und an diesem Projekt
zu erfragen.
Die Resonanz aus der Elternschaft übertraf alle Erwartungen. So wurde
Schritt für Schritt mit dem Aufbau einer neuen Schulbücherei begonnen.
Als erster Schritt wurde der Schulträger ins Boot geholt, um die
raumtechnische Frage abzustimmen. Während einer Schulbegehung wurde schnell
klar, welcher Raum zur neuen Schulbücherei umgestaltet werden könnte. Zum Glück
gibt es an unserer Schule mehr Räume als Klassen, so dass die Wahl schnell auf
den für alle Kinder gut zu erreichenden Raum neben dem Lehrerzimmer fiel.
Genutzt wurde dieser Raum in den Stunden des sozialen Trainings mit
unserer Schulsozialarbeiterin und regelmäßig als Arbeitsraum für
Gruppenarbeiten.
Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie eine Schulbücherei aussehen
und funktionieren kann, fand als zweiter Schritt eine Besichtigung für alle
interessierten Eltern im Mai 2010 statt. Ausgewählt wurde dafür die
Johannes-Grundschule in Soest, da an dieser Schule einerseits auch erst sehr
kurz eine Schulbücherei existiert und andererseits Frau Sigge-Thobae, eine
abgeordnete Kollegin, dort arbeitete und ihre dort gemachten Erfahrungen gut
einbringen konnte.
Mit Begeisterung wurden die Anregungen und Tipps aufgenommen und mit viel
Elan ging es dann in Stirpe ans Werk.
Weil es ein Raum sein soll, in dem sich die Kinder wohlfühlen, wurde zu
einer Malaktion aufgerufen. Die Kinder bekamen die Aufgabe, ihre Bücherei, ihre
Regale, ihre Sofas, ihre Bücher, ihre Wände zu malen. Das Ergebnis war eine
bunte Vielfalt. Um allen Ideen gerecht zu werden, wurde die meistverwendete
Hauptfarbe „rot“ als Teppichfarbe gewählt. Die Wandgestaltung mit Bildern
wird den Kindern überlassen, in einem klassenübergreifenden Kunstprojekt
sollen dann „Kunstwerke“ erstellt werden.
2. Finanzielle Rahmenbedingungen
Die Ausstattung des Raumes wurde vorrangig vom Förderverein unserer
Schule finanziert, aber auch durch etliche Sachspenden. Die Bücher wurden über
Sach- und Geldspenden angeschafft. Viele Eltern spendeten „ausgelesene“ Bücher
älterer Geschwister. In den meisten Klassen standen Bücher in den Regalen, die
nun zum Großteil in den Bestand der Bücherei aufgenommen wurden. Mithilfe
vieler Spenden war es zudem möglich, etliche neue Bücher anzuschaffen. Auch
Einnahmequellen von schulischen Festen wie „Kinderschützenfest“ oder
„Einschulungsfeier“ flossen vorrangig in die Schulbücherei.
In Zusammenarbeit mit Eltern, Kindern, einem ortsansässigen Malerbetrieb
und zwei Lehrerinnen wurde an einem Wochenende im Juni der für die Bücherei
vorgesehene Raum in Eigenarbeit gestrichen. Mit der finanziellen Unterstützung
des Fördervereins wurde dann der Teppich ausgesucht, der vom ortsansässigen
Betrieb kostenlos verlegt wurde. Der ebenfalls ortsansässige Schreiner stellte
in den Herbstferien 2010 die Regale her und baute sie kostenlos auf. Eine nähtechnisch
sehr begabte Mutter fertigte Sitzsäcke, die dem Raum ein gemütliches Ambiente
verleihen und eine zum Lesen anregende Atmosphäre in der Bücherei schaffen.
Ohne die engagierte Mitarbeit ehrenamtlicher Helfer wäre diese Aktion
nicht möglich gewesen.
Im Dezember 2010 kann nun nach aufreibender, intensiver Vorarbeit unsere
Schulbücherei eröffnet werden.
3. Ziele unserer Schulbücherei
Unser
vorrangiges Ziel ist es, die Kinder in ihrem Leseprozess dauerhaft zu motivieren
und ihre Lust auf Lesen zu wecken. Neben der Förderung der Lesemotivation stand
natürlich auch eine Erziehung zu Selbstständigkeit nicht nur im Umgang mit
Kulturtechniken und Medien im Vordergrund.
Dabei
sehen wir unsere Schulbücherei nicht als eine Konkurrenz zur hiesigen
Stadtbibliothek Lippstadt oder zu diversen Pfarrbüchereien. Vor allem die
Stadtbibliothek ist nach wie vor eine wichtige Ergänzung unserer Schulbücherei.
Die
Kinder sollen wie in der Stadtbücherei auch, in einer Bücherei die
erforderlichen Techniken wie z. B. Suche nach Wissensgebieten /
Sachgebieten / Lesealter / Autoren / Gattungen usw. erlernen.
Es ist an unserer Schule üblich, dass Eltern die Kinder in ihrem
Leselernprozess begleiten.
Dies geschieht in regelmäßig stattfindenden Lese-Mütter- oder Lese-Väter-Stunden.
Diese Stunden könnten nun in die Räumlichkeit der Bücherei verlegt werden.
Darüber hinaus sollen jährlich stattfindende Projekte, wie z. B. unsere
Autorenlesung, die Kinder immer wieder dazu verführen, ein Buch zu lesen.
4. Schlüsselqualifikationen, die die Kinder
erlernen
Unser
Projekt ermöglicht den Kindern vielfältige Lernchancen. So wird beispielsweise
der Bereich der Selbst- und Sachkompetenz gefördert:
- Verantwortung (z. B. für
entliehene Bücher) übernehmen
- selbstständiger
werden
- sich an Regeln (z. B.
der Benutzerordnung) halten
- sich aus den gebotenen
Medien Informationen beschaffen
- Vereinbarungen
einhalten
- Teilhabe an
kulturellen Organisationsformen
- Kulturtechniken
beherrschen lernen
- Lernhilfen sinnvoll
nutzen
- sinnvolle
Freizeitgestaltung, Hinführung zum Lesen
5. Konkrete Ziele
In der Konferenz wird sehr konkret bedacht und entschieden, wie wir
weiterarbeiten. So müssen zum Beispiel Bücher sortiert, eingescannt und eingeräumt
werden.
Auch müssen über das ganze Schuljahr hinweg Eltern angeworben, betreut
und eingearbeitet werden. Eine intensive Elternarbeit ist hierbei unerlässlich,
sehr zeitaufwändig – aber auch sehr erquickend.
Es wird deutlich, dass dieses Projekt noch lange nicht abgeschlossen sein
wird.
Durch
den hohen Verwaltungsaufwand, den die Organisation einer Schulbücherei mit sich
bringt, sind wir unbedingt auf die Mithilfe von Eltern angewiesen. Die Eltern können
uns bei folgenden Aufgaben unterstützen:
- Eingabe der Bücher,
Buchtitel und –daten in den Computer
- Pflege und Wartung des
Computers und der Software
- Bestellung neuer Bücher
- Sichten und Auswahl
gespendeter Bücher
- Einbinden und
Etikettieren neuer Bücher
- Pflege und Reparatur
beschädigter Bücher
- Buchführung der Büchereikonten
- Beschaffung von
Spendengeldern
- Ordnen der Bücher
nach den eingeführten Ordnungskriterien
- Sichtung,
Kontrolle und Evaluation des bestehenden Ausleihsystems
- Organisation der
Mahnzettel, Strafgelder usw.
6. Ausblick
Um
die Schulbücherei im Schulleben zu verankern, ist ein Spiralcurriculum zur Förderung
der Lese- und Informationskompetenz ein elementarer Schlüssel zum Erfolg. Mit
diesem Thema wird sich das Kollegium in einer der folgenden Konferenz beschäftigen.
Zudem
wollen wir in diesem Schuljahr neben der Vergrößerung und Ausweitung unserer
Schulbücherei vor allem verstärkt an kleineren Projekten zur Förderung einer
Lesekultur an unserer Schule arbeiten.
So
sind beispielsweise Unterrichtsreihen mit Ganzschriften, eine Autorenlesung
für
das dritte und vierte Schuljahr geplant.
Zusätzlich soll vor allem die räumliche Situation verbessert werden.
Dies wird durch im Kunstunterricht erstellte Dekorationen, eine geplante
Leseecke usw. geschehen.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass wir insgesamt mit der bisherigen
Durchführung auf einem guten Weg sind, den wir alle, sowohl das Kollegium als
auch die Elternschaft und natürlich
unsere Schülerinnen und Schüler, weiter bestreiten werden.
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